wunderschön drapiert mit bebilderten Fliesen. Bleibt zu erwähnen, daß man uns als ahl al-kitab, An­hängern einer Religion des Buches, auch in den Moscheen und Madrassen, den Koran­schulen, sehr freundlich begeg­net.
Und dann liegt der Duft von Gewürzen in der Luft: der Bazaar ist nah und bildet einen unwiderstehlichen Sog auf die ganze Gruppe aus. Kurz einen Treffpunkt vereinbart, dann strömen alle in die langen überdachten Gassen – oder sollte man vielleicht doch besser zusammenbleiben, bei diesem Gewirr von Gassen? Und vielleicht ist es hilf­reich, den iranischen Guide beim Kauf zu Rate zu ziehen. Um es vorweg zu neh­men: Gehandelt wird viel weniger, als uns einschlägige Führer glauben ma­chen, am ehesten läuft so etwas über Mengen­rabatt. Nach zwei Stunden trifft sich die Gruppe wieder, erschöpft und glücklich, man zeigt sich die erworbenen Schätze: Seidentücher, Kästchen in Einlegearbeit oder aus Kamelknochen, kunstvoll bemalt, Gewürze. Man hat im Gold­bazaar herein­geschaut und sich wunderschöne Teppiche zeigen lassen, einige haben CDs und DVDs erworben. Und für die, die noch weitersuchen wollen, gibt es ja weitere Bazaare, jede Stadt hat einen, Isfahan vielleicht den eindrucksvollsten.
Beim Abendessen treffen wir unsere Gewürze wieder: Safran begleitet den langkörnigen iranischen Reis, Berberit­zen und geraspelte Orangenschalen machen ihn noch würziger, Granatäpfel ergeben eine phantastische Soße zum Hühn­chen. Bei den uns anlächelnden Tomaten sind wir vorsichtig, und können nach einigen Tagen doch nicht wider­stehen, und es passiert – nichts. Es schmeckt einfach nur. Dem einen oder anderen fehlt nur das Glas Wein oder Bier zum Essen. Ein alkoholfreies Radler ist für viele Ersatz – aber eigentlich gehört Joghurt dazu, Dough, leicht gesalzen, manchmal mit Gurken oder Zwiebeln. Und danach wieder – wie öfters über den Tag – ein Tee.
Natürlich hat der Iran kulturell und historisch sehr viel zu bieten. Wir ken­nen die Perser ja meist aus griechischer Perspektive, die Aggressoren, die Grie­chenland erobern wollten. In Persepolis lernt man viel über das relativ liberale Regime der damaligen Zeit, ein echter Vielvölkerstaat. Parther und Sassaniden sind uns aus römischer Überlieferung bekannt – und haben eindrucksvolle Felsenreliefs hinterlassen. Die Zoro­astrische Religion dieser frühen Phase hat bis heute überlebt, ja hat einen nicht unbeträchtlichen Einfluß auf die irani­sche

Form des Islam, die Schia, genom­men. Die zoroastrischen Feuertempel sind in Betrieb, nur die Türme des Schweigens – die Bestattungsorte – sind ihrer Funktion beraubt.
Wir lernen viel über die arabische Zeit, daß Invasoren vom Osten dreifach über das Land gezogen sind, mordend und zerstörend, daß sie aber immer letzt­endlich dem Charme des Iran erlegen waren, sich dessen Kultur angeeignet haben, eigene kulturelle Impulse ge­setzt haben. Der Bogen bis hin nach Samarkand und Bukhara im heutigen Uzbekisten wird deutlich. Dies zeigt aber auch, daß Schutz notwendig war, Stadt-mauern, Festun­gen – wie im inzwischen leider durch ein Erdbeben zerstörten Bam und im in der Nähe gelegenen, noch weitgehend intakten Rayen.
Kehren wir zurück zum Anfang. Zum Grün der Gärten und des Paradieses gehört als Kontrapunkt das Gelb der Wüste und das Weiß der Salzseen. In ihrer Kargheit lädt die Wüste zum Insichgehen ein, dazu, zur Ruhe zu kommen, Landschaft auf sich wirken zu lassen, die schroffen Berge, malerische Sonnenuntergänge, der einzelne Baum. Und dann – in Tagesmarschabständen – Ka­ra­wansereien, denn wir befinden uns schließlich im Bereich der Seidenstraße. Und noch eine beeindruckende, beru­higende Wüsten-Erfahrung: unser fun­kel­nagelneuer 4*+-Bus hatte auf einer Wüstenstrecke eine Panne – und es dau­er­te nur zwei Stunden, bis wir in einem Ersatzbus weiterfahren konnten, gerade noch genug für ein genussvolles Picknick.
Ein Resume? Nicht ganz einfach. „Ver­rückt“ war diese Reise sicherlich nicht – und keiner der Reisenden hat sich auf dieser Reise unwohl oder unsicher gefühlt. Reisende, die schon mehrmals im Iran waren, erzählen von Verände­rung, daß es leichter geworden sei, ins Gespräch zu kommen. Dies entspricht der in der Öffentlichkeit wahrgenom­me­nen vorsichtigen Öffnung des Landes zum Westen hin, ein erstes Telefonat der Präsidenten des Iran und der U.S.A. hatte gerade stattgefunden, ein ermuti­gendes Zeichen. Jedenfalls: wir fühlten uns hoch willkommen, als Gäste und nicht als Touristen. Eine Erfahrung, die geradezu dazu auffordert wiederzu­kommen, sich auch andere Teile des Landes anzusehen und zu spüren, wie sich dieses Land entwickelt, dabei zu sein bei diesem spannenden Prozeß. Ein Wort Persisch hat jeder von uns behalten: Es wird möglich werden, wenn Gott es will - Inshallah.
(c) Lingua & Cultura Tours, 2013